erreichBA

Die Herzspezialistin

Karola Gottschall ist die Wächterin von Bambergs Herz und Lebensader. Einblick in den Arbeitsalltag der Verbundwarte.

Hier also schlägt Bambergs Herz. Die Pumpe, die die Stadt versorgt. Es ist 4.45 Uhr und es ist noch stockdunkel. Nur ein einziges Fenster ist hell erleuchtet an der Hauptgeschäftsstelle der Stadtwerke am Margaretendamm. Karola Gottschall startet ihre Frühschicht in der Verbundwarte und übernimmt den Platz von ihrem müden Kollegen der Nachtschicht. 24 Stunden ist die Verbundzentrale täglich besetzt. 7 Tage die Woche. 365 Tage im Jahr. Genau so, wie Bambergs Stadtwerke Strom, Gas und Wasser liefern – rund um die Uhr.

Karola Gottschall überwacht mehrere Monitore, die allerlei Daten aus Bamberg Wasser- und Gasversorgung ausspucken. „Alles im grünen Bereich“, nickt sie zufrieden nach einem kurzen Rundumblick. Sie klickt sich durch verschiedene Computermenus für die internen Hausalarme, sämtliche Schranken auf dem Gelände, die Außenbeleuchtung, die Jalousien, Feuertüren und Flure.

Mit ein paar Mausklicks überprüft sie die Sollwerte für den haushohen Gas-Niederdruckbehälter, der gleich auf dem Grundstück nebenan steht. Ein verzweigtes Netz aus blauen und roten Linien, dazwischen rote Dreiecke, graue Kästchen, Symbole für Pumpen, Kompressoren, Filter- und Heizsysteme, erscheint auf ihrem Computerbildschirm. „Computer und Technik haben mich schon immer begeistert“, erzählt Gottschall.

16 Monitore und 6 Telefone

Auf ihrem riesigen Schreibtisch stehen 16 Monitore und sechs Telefone. Noch ist es hier ruhig. Die Pinnwand hängt voller Tabellen und Telefonnummern für die „Bereitschaftler“ der Strom-, Wasser- und Gasversorgung sowie der Bädernotdienste von Stadionbad, Hainbadestelle und Bambados.

„Für jeden Notfall gibt es genaue Handlungsanweisungen und Telefonlisten“, erklärt die 47-Jähige. Zehn Techniker sind in ständiger Bereitschaft und können jederzeit eingreifen, wenn eines der Überwachungssysteme Alarm schlägt.

Ein leises Tuten, wie das Freizeichen eines Telefons, kommt plötzlich vom dritten Monitor am Ende des Schreibtisches. „Das ist unsere Totmannschaltung“, erklärt sie, und klickt eines der Icons an. Der Alarm verstummt. „Diesen Stundenalarm muss ich jedes Mal quittieren, damit die Kollegen wissen, dass die Zentrale besetzt und mit dem Mitarbeiter in der Verbundzentrale alles in Ordnung ist.“

Routiniert checkt Gottschall die Wasserstände in den Hochbehältern rund um die Stadt, „aber noch tut sich nicht viel.“ Die Leute schlafen noch, die Bäckereien und Brauereien Bambergs ziehen an einem Sonntag frühmorgens wie heute noch nicht viel Strom und Wasser aus dem Netz.

 

Die Stadt erwacht

Die Hochbehälter „Bruderwald“, „Stephansberg“, „Südwest“ und „Kunigundenruh“ pegeln allesamt im Sollbereich, ebenso „Altenburg“ und „Wildensorg“. „Sobald der Bezug anfängt,“ – das heißt, wenn die Stadt langsam erwacht und die Betriebe anfangen zu arbeiten – „behalte ich die Pegelstände genau im Auge, vergleiche die Werte mit meinen Bezugstabellen und pumpe gegebenenfalls das Wasser um.“ So ist gewährleistet, dass etwa auch im Fall eines größeren Rohrbruchs genug Wasser im Gesamtsystem zur Verfügung steht und die über 13.000 Wasseranschlüsse nicht auf dem Trockenen sitzen. „Die Verantwortung, Entscheidungen fällen – das gefällt mir!“ sagt Gottschall begeistert. Sie liebt ihre Arbeit. Sie hat Serviceblut.

Das „Ampelfax“, ein verdienter Veteran unter den Büromaschinen auf der anderen Seite des Schreibtisches, hat derweil eine Meldung ausgespuckt: „K171 Typ C800V Poedeldorferstr. gestört.“ Über 100 Bamberger Ampeln sind mit der Verbundwarte vernetzt und melden gegebenenfalls Störungen. Die Techniker sind bereits informiert und kümmern sich um das Problem von K171, weiß Gottschall, und legt den Bericht zur Seite. Langsam wird es draußen hell, die Stadt erwacht, die Wasserbezugszahlen gehen stetig nach oben.7

„Störungen und Ausfälle kennen keine Tages- oder Nachtzeit. Gut, wenn dann einer der fünf Kollegen der Verbundwarte eingreifen kann - die Pumpe, die die Stadt versorgt, am Laufen hält. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.“
Karola Gottschall, Stadtwerke Bamberg

Mit ein paar Mausklicks blickt die „Energieanlagen-Dispatcherin“ – so Gottschalls offizieller Berufstitel – in die zehn Bamberger Tiefgaragen und Parkhäuser. 60 Kameras behalten hier die Ein- und Ausfahrten sowie die Kassenautomaten im Auge. Bei hohem Besucheraufkommen kann Karola Gottschall eingreifen und zusätzliche Spuren aktivieren, so dass der Verkehr flüssig bleibt und Wartezeiten an den Ausfahrten kürzer werden. „Notrufe und Störungsmeldungen mit dem Parkticket kommen schon mal vor. Dann kann ich den Leuten vor dem Kassenautomaten meistens direkt helfen.“

 

Über den Autor

visage

Astrid Rosenberger

Die Unterfränkin kam über das Politikstudium im mittelfränkischen Erlangen ins oberfränkische Bamberg und leitet die Redaktion bei den Stadtwerken. Zwischen Buchstaben, Punkt und Komma fühlt sich genauso wohl wie auf dem Mountainbike, der Yogamatte oder am Kletterfels. Es lohnt sich auf alle Fälle das Kundenmagazin oder die Inhalte auf der Website aus ihrer Feder zu lesen.

Kommentare sind geschlossen.