do schau her

Das Holz aus dem echte Saunen sind

Der lange Weg des Holzes vom Kelostamm in der finnischen Taiga zum Bauelement der neuen Erdsauna im Bambados. Saunabauer Peter Baum gibt Einblick in seine Arbeit.

Holz macht bekanntlich mehrmals warm: beim Fällen im Wald, beim Hacken und Aufschlichten vor dem Haus und schließlich nach dem Einschüren. Ganz anders kommt die Wärme beim Keloholz daher, nämlich beim Saunieren in einer Erdhütte aus jahrhundertealtem Keloholz. Das „Kelo“ (Finnisch für „Totholz“) der neuen Bambados-Erdsauna hat eine rund 3.000 Kilometer lange Reise von Karelien, der russischen und finnischen Taiga, bis nach Bamberg hinter sich.

Karelien, das ist die Grenzregion zwischen Finnland und Russland, von St. Petersburg bis zum nördlichen Polarkreis, vom Finnischen Meerbusen im Westen bis zum eisbedeckten Weißen Meer im Osten. Fast die Hälfte Kareliens ist mit Seen bedeckt, in denen sich die schier unendlichen nordischen Nadelwälder und die weißen Wolken spiegeln. Die Menschen hier leben von dem, was sie Wasser und Wald abtrotzen. In der unwirtlichen Taiga wachsen aufgrund der extremen Bedingungen langsam besonders robuste Nadelhölzer: Kiefern, Fichten, Tannen und Lärchen.

Peter Baum ist Tischlermeister in dritter Generation. Der Eschweiler Innenarchitekt und Saunabauer war zusammen mit einem Waldarbeiter in einem altgedienten Lada unterwegs in der karelischen Taiga, als plötzlich der Motor streikte – 70 Kilometer entfernt vom nächsten Ort, ohne jede Funkverbindung. „Zum Glück war die Temperatur mit minus zehn Grad einigermaßen erträglich“, berichtet Baum im Rückblick. Ein Holztransporter sammelte die beiden Liegengebliebenen nach zwei Stunden auf und brachte sie zurück in den nächsten Ort.

Schwer zu findendes Keloholz

Mit seinem Begleiter war Peter Baum auf der Suche nach „rakennusmateriaali“ – Baumaterial – für die neue Bambados-Erdsauna: Kelo.

Das dichtfasrige Keloholz wird nicht kultiviert und ist nur schwer zu finden. Das Besondere daran: Kelohölzer verwittern nicht auf herkömmliche Art, sondern vertrocknen im Zusammenspiel von Wassermangel und Frost, also auf natürlichem Weg und dabei aufrecht stehend. Nicht selten sind die Bäume zwischen 300 und 500 Jahre alt. Das herausfordernde Klima Kareliens macht das Holz zum idealen Material für Blockhaus- und Saunabau. Diese Bedingungen gibt es so nur in den nordischen Wäldern. Der langsame Wachstums- und der spätere jahrzehntelange Trocknungsprozess, vergleichbar mit sanftem Darren, gibt Kelokiefern ihre silberne Oberfläche und ihre typische rötlich-goldene Innenstruktur mit nur wenigen Millimeter breiten Jahresringen.

„Feinjährig“ nennen das Holzfachleute wie Peter Baum. „Die Bäume müssen aufwändig gesucht werden. Dann werden sie von Hand gefällt und behutsam weiter verarbeitet“, erklärt er. Maschinelle Verarbeitung mit groben Rodungsmaschinen würde die silbrig schimmernde Oberfläche zerstören.

„Durch die extremen Bedingungen der Taiga wird Keloholz sehr hart und gleichzeitig ruhig. Das Holz hat kaum Verwerfungen und Spannungen. Außerdem verfügt es über ein hervorragendes Wärmespeichervermögen“, so Baum. Kelo muss und soll nicht mit irgendwelchen chemischen Mitteln behandelt werden, es ist gebrauchsfertig so wie es ist. Häuser aus Keloholz brauchen daher auch keine weitere Isolierung oder Dampfsperre, das pure Holz sorgt für ein perfektes Raumklima.

„Durch die extremen Bedingungen der Taiga wird Keloholz sehr hart und gleichzeitig ruhig. Das Holz hat kaum Verwerfungen und Spannungen. Außerdem verfügt es über ein hervorragendes Wärmespeichervermögen“
Peter Baum, Saunabauer

Lange Reise nach Bamberg

Die karelischen Kelostämme, die Peter Baum für seine patentierten Saunahäuser verwendet, werden noch vor Ort weiterverarbeitet. Nur gleichmäßig gewachsene Stämme werden für gut genug befunden. „Die Betriebe vor Ort haben enorme Fähigkeiten, auch mit der Motorsäge. Zwischen die verbauten Kiefernstämme passt am Ende kein Stück Papier“, schwärmt Saunabauer Baum. Die Stämme werden fein säuberlich verzapft und exakt vorgebohrt. Danach geht es per Lkw zu seinem finnischen Zwischenhändler. Hier kommen dann auch die Dachbretter für die Kelosauna dazu. Danach geht es von Finnland über Estland, Lettland, Litauen und Polen bis ins Bamberger Bambados.

60 Kelostämme
für die neue Sauna

Rund 60 Kelostämme der Polarkiefer, schätzt Baum, hat er für die Bamberger Erdsauna verbaut. Im Oktober wird sie ihren Betrieb aufnehmen und Badegäste im Bambados – ganz entspannt – ins Schwitzen bringen

Passend dazu schickt der finnische Zulieferer „wärmste Grüße“ an die Bamberger Saunagäste, und zwar auf Finnisch:

„Toivotan nautinnollisia hetkiä kelosaunassa kylpijöille! Samalla toivon että he suhtautuisivat kunnioituksella satoja vuosia vanhaan hienoon rakennusmateriaaliin.“

„Ich wünsche den Saunabadenden viele schöne Momente in der Kelosauna! Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sie Respekt haben vor dem allerfeinsten und viele Jahrhunderte alten Baumaterial.“

Über den Autor

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Astrid Rosenberger

Die Unterfränkin kam über das Politikstudium im mittelfränkischen Erlangen ins oberfränkische Bamberg und leitet die Redaktion bei den Stadtwerken. Zwischen Buchstaben, Punkt und Komma fühlt sich genauso wohl wie auf dem Mountainbike, der Yogamatte oder am Kletterfels. Es lohnt sich auf alle Fälle das Kundenmagazin oder die Inhalte auf der Website aus ihrer Feder zu lesen.

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