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Die Wasserkraft für unseren Ökostrom

Stromeinkäufer Roman Boßecker von den Stadtwerken zeigt, wo der ökologische Strom aus Wasserkraft für Bamberg produziert wird.

Wie ein weißes und grünes Band verläuft die Rhone vom Genfer See aus quer durch Frankreich bis zum Mittelmeer. Von der Quelle bis zur Mündung sind es weit über 800 Kilometer, auf denen sich der wasserreichste Fluss des Landes malerisch durch die Landschaft schlängelt. Der Höhenunterschied auf dieser Strecke – beachtliche 1.750 Meter – ist ein wahrer Glücksfall. Durch die Kraft des Wassers kann entlang der Rhone in insgesamt 40 Wasserkraftwerken Strom produziert werden – ohne Emissionen, ohne Rückstände. Auch für die Stadtwerke Bamberg, die die Stromlieferung für alle Kunden auf 100 Prozent Ökostrom aus Wasserkraft umgestellt haben.

100 % Ökostrom
aus Wasserkraft bei den Stadtwerken Bamberg

Wenn Roman Boßecker in seinem Büro am Bamberger Margaretendamm an die Rhone denkt, dann hat der Energiehändler keine Zeit, an die malerischen Landschaften entlang des Ufers zu denken. Denn Boßecker kauft den Strom ein, den die Kunden der Stadtwerke Bamberg verbrauchen. Seit Neuestem ausschließlich aus erneuerbaren Energien. Allein 240 Millionen Kilowattstunden aus den Wasserkraftwerken in Frankreich. Das ist so viel, wie 70.000 Privathaushalte pro Jahr verbrauchen. Weitere Quellen sind Wasserkraftwerke in Skandinavien, Österreich und der Schweiz.

Ökostrom mit TÜV Süd Zertifikat

Damit hier alles mit rechten Dingen zugeht, kontrolliert Boßecker die Herkunft jeder einzelnen Kilowattstunde ganz genau. Der Strom erhält einen Nachweis, der bestätigt, dass er auch tatsächlich mit Wasserkraft hergestellt wird. Dieser wird anschließend beim Umweltbundesamt entwertet. „Diese Bestätigung ist wichtig für die Kunden und wird deshalb regelmäßig vom TÜV Süd und anderen Auditoren genauestens überprüft. Jede gelieferte Kilowattstunde der Stadtwerke entspricht einer eingekauften Kilowattstunde aus regenerativen Quellen“, so Boßecker.

„Wird nur noch grüner Strom aus dem Netz entnommen, wird bei der Erzeugung auch nur grüner Strom eingespeist“
Roman Boßecker

Was auf dem Papier einfach ausschaut, ist rein physikalisch weitaus komplizierter. Und doch versteht es der Energiehändler, die Thematik einfach zu erklären: „Stellen Sie sich den Strom im Netz wie in einem großen Stromsee vor, dessen Pegel ständig konstant sein muss. Die Einspeisung und die Entnahme des Stroms müssen immer in Balance sein. Bei der Einspeisung ist das Mischungsverhältnis aus konventionell erzeugtem Strom und Ökostrom abhängig von den Wünschen der Kunden. Wird – wie jetzt bei den Stadtwerken Bamberg – nur noch grüner Strom aus dem Netz entnommen, wird bei der Erzeugung auch nur grüner Strom eingespeist“, so Boßecker. Mit enormen Vorteilen für das Klima: Durch die Umstellung des Stroms für alle Kunden der Stadtwerke werden so Jahr für Jahr über 170.000 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids eingespart.

170.800 t
Kohlendioxid werden eingespart

„Houille blanche“ von der Rhone

Die Wasserkraft am malerischen Lauf der Rhone, den Kajak- und Fahrradtouristen wegen der eindrucksvollen Kulisse so sehr schätzen, heißt zwischen Genfer See und Murs-et-Gélignieux seit jeher „houille blanche“ – „weiße Kohle“. Denn die wassergenerierte Energie hat schon vor über 75 Jahren die Bahnlinien im Rhonetal mit elektrischem Strom versorgt. Die „weiße Kohle“ hat die rußspuckenden und kohlefressenden Dampfrösser abgelöst. Die Bedeutung der Wasserkraft für die heutige Energiewende hat sich also im Vergleich zur damaligen Umwälzung gar nicht so sehr geändert.

Über den Autor

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Markus Reinfels

Markus Reinfels ist bei den Stadtwerken Bamberg der Stratege fürs Digitale. Als gebürtiger Bamberger liegt ihm seine Heimatstadt besonders am Herzen. Die betrachtet er gerne durchs Kameraobjektiv oder von den Bierkellern herab. Er ist Fan der Brose Bamberg Basketballer und hat einen Jack Russel Terrier, der Manolo heißt.

3 Kommentare zu “Die Wasserkraft für unseren Ökostrom”

  1. Investition in Windkraftanlagen ist der richtige Schritt, aber die Sache mit der Wasserkraft ist wohl reiner Etikettenschwindel! Ein Wasserkraftwerk aus den 1940er Jahren ist längst in den gesamten Strommix integriert und kann deshalb nicht dazu dienen, den Anteil von Kohle- oder Atomstrom zu verringern. Dann bekommen die Stromkunden in Frankreich halt einfach mehr Atomstrom, wenn deutsche Versorger den Franzosen den Wasserkraftanteil abkaufen, um ihren Kunden ein gutes Gewissen zu ermöglichen. Wenn man für Wasserkraft dann Werbung macht, sollte man auch nicht die schönen Bilder von „ungenutzten“, frei fließenden Naturbächen zeigen, sondern auch mal die Realität z.B. die Talsperre Génissiat an der Rhone wo die „weiße Kohle“ produziert wird.

    • Sehr geehrter Herr Hoh, genau deshalb stellen wir nicht nur unser Stromlieferportfolio auf 100 Prozent Ökostrom um, sondern investieren zugleich in den Ausbau der Erneuerbaren Energien: Erst im vergangenen Jahr haben wir knapp eine Viertelmillion Euro in den Windpark Bucheck, in der Nähe von Gefrees, investiert. Derzeit bauen wir als Partner der Energieallianz Bayern einen weiteren Windpark im unterfränkischen Oerlenbach, wo Ende des Jahres der erste Strom produziert werden soll. Auch Stadtwerke-Kunden können in regionale Anlagen investieren – über so genannte Bürgersolaranlagen, die den Kunden überdurchschnittliche Renditen garantieren.

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