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Ökostrom in Bamberg aus dem Stromsee

Radio Bamberg Reporter Marcus Appel blickt hinter die Kulissen des Ökostroms der Stadtwerke Bamberg und der erneuerbaren Energien im Stromsee.

Hallo, hier ist Marcus Appel von Radio Bamberg. Ich habe das Thema „Ökostrom“ ziemlich ausführlich im Radio behandelt. Warum? Weil die Stadtwerke Bamberg seit 1. Mai keinen „schmutzigen“ Strom mehr liefern, sondern nur noch „grünen“. Dass die Stadtwerke also komplett auf Ökostrom umgestellt haben, ist natürlich super. Aber da heute ja alles „grün“ und „bio“ ist, war ich erst mal skeptisch. Also hab ich tiefer gebohrt und nachgehakt.

Eines vorweg: bei meiner Tour habe ich live gesehen, wie sich die Stadtwerke vor Ort für den Ausbau von erneuerbaren Energien engagieren. Da gibt es große Leuchtturmprojekte, aber auch kleine Aktionen, die konkret ihren Beitrag leisten. Jeder in der Region kennt den grünen Kasten an der Pödeldorfer Straße: das Bambados. Das Schwimmbad ist ein Passivhaus und wird mit eigenen Holzhackschnitzen befeuert. Dass Coole dabei: die Pappelpflanzen, aus denen der Rohstoff gewonnen wird, stehen unweit des Stadtwald-Wasserwerks und werden dort aufgezogen und anschließend geerntet. Aber natürlich gibt’s auch solchen Schnickschnack wie Solaranlagen auf vielen Dächern in der Stadt und Beteiligungen an Windparks an dafür geeigneten Standorten. Soweit so gut, aber wie bitte wollen es die Stadtwerke damit schaffen, jetzt ganz Bamberg mit Ökostrom zu versorgen?

 

Wie viel Öko steckt wirklich drin?

Wenn man den Strom betrachtet, der bei Euch allen aus der Steckdose kommt, ist das ein Mix aus verschiedenen Quellen. Denn der Strom fließt nicht direkt vom Erzeuger – also vom Windpark, vom Wasser- oder Kohlekraftwerk – zu den Bürgern, sondern zunächst ins Stromnetz. Früher hatte ich immer gedacht, dass an irgendeinem Windrad eine ökologisch einwandfrei hergestellte Plakette befestigt ist, auf der steht: Hier wird der Ökostrom für Marcus Appel hergestellt. Nein, dem ist nicht so. Wir können uns das als großen See vorstellen, im dem der Strom aus verschiedensten Quellen gesammelt und bei Nachfrage abgezapft wird. Wichtig: in diesem Stromsee ist Strom von allen möglichen Erzeugern (ja, auch aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken – aber eben auch aus ökologischen Quellen).

 

Unterstützung von regenativer Energieerzeugung

Der Knackpunkt: wie kann der Kunde dann eigentlich sichergehen, dass er mit dem Bezug von Strom der Stadtwerke Bamberg tatsächlich den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung unterstützt? Oder ist das alles eine Mogelpackung?

Die Erklärung: Für jede Kilowattstunde, die die Stadtwerke Bamberg kaufen, um sie dann an ihre Kunden zu liefern, gibt es einen ganz konkreten Herkunftsnachweis. Der belegt, dass diese Kilowattstunde umweltfreundlich in einem Wasserkraftwerk, Wind- oder Solarpark produziert wurde und dann in den Stromsee fließt.

 

Das heißt also, je mehr Kunden bei den Stadtwerken Ökostrom kaufen, desto größer wird der „grüne“ Anteil im Stromsee. Hier zeigt sich mal wieder, wie viel Einfluss der Verbraucher hat und wie er durch seine bewusste Kaufentscheidung die Welt verändern kann. Eigentlich ist das genau wie im Supermarkt. Wenn die Stadtwerke ein Lebensmittelhändler wären, dann hätten wir bisher dort das Hühnchen aus der Massentierhaltung oder das tolle Biohühnchen kaufen können. Jetzt ist der städtische Energielieferant quasi zum Biosupermarkt geworden, es gibt keine Mast- und Antibiotikahühner mehr im Angebot und damit auch gar keine Nachfrage nach Produkten zweifelhafter Herkunft.

 

Die Nachfrage bestimmt das Angebot

Bei meiner Recherche bin ich aber auch auf die Kritik gestoßen, dass die Ökostrom-Erzeugungsanlagen ja eh schon da waren und deshalb durch die Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom keine neuen Anlagen gebaut werden. Einfache und ehrliche Antwort: Wie überall im freien Markt, bestimmt die Nachfrage das Angebot. Die Umstellung der Stadtwerke bewirkt also, dass mehr Ökostrom nachgefragt wird. Folgen andere unserem Beispiel, dann können die bestehenden Anlagen das Angebot bald nicht mehr decken, so dass neue Anlagen gebaut werden müssen. Oder um beim Huhnvergleich zu bleiben: die Zucht von Ekelhühner lohnt sich immer weniger, die biologische Landwirtschaft hingegen immer mehr. Schlechte Betriebe schließen, gute Biobauern sprießen aus dem Boden, um die Nachfrage nach dem hochwertigen Lebensmittel befriedigen zu können. Klingt logisch, oder?

 

Windkraft aus dem Lacuna Windpark Bucheck

Gleichzeitig engagieren sich die Stadtwerke selbst bei der Erzeugung von Ökostrom. Neben etlichen Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerken, sind sie an Windparks in Bayern beteiligt. Seit letztem Jahr speist, dank ihnen, ein neuer Windpark in Oberfranken Ökostrom ins Netz. Und auch in diesem Jahr geht ein weiterer Windpark mit Rückenwind des städtischen Versorgers in Betrieb. Die Entwicklung geht also immer weiter.

Ich hoffe, ich konnte – jetzt mit Ökostrom – ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Wir hören uns „on air“.

Euer Marcus Appel

Über den Autor

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Marcus Appel

Marcus Appel ist bei Radio Bamberg seit 1993 der rasende Reporter für wirklich alle Fälle. Mit Bamberg und der Natur fühlt sich der Outdoor-Bekleidungsfan äußerst verbunden und ist jede freie Minuten aktiv. In der Stadt ist der Hain sein Lieblingsrefugium zum Energie tanken.

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