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Digitale Zukunftsträume

Die digitale Zukunft über Glasfasernetz mit schnellem Internet bietet ungeahnte Möglichkeiten für Jedermann. Wir wagen einen realistischen Blick nach vorne: wie wir jetzt leben und was bald Alltag mit virtueller Realität werden könnte.

Es ist 7.30 Uhr und ich stehe im Flur. Von hier aus kann ich hören, wie sich draußen die Garage öffnet. Hausschlüssel, Handy, Geldbeutel, ich taste meinen Mantel ab, alles da. Leise surrt der Motor meines Wagens, das Geräusch wird lauter, bricht dann ab. Ein Kuss für die Freundin, tschüss, tschüss, dir auch einen schönen Tag. Ich öffne die Tür, Adelheid – so heißt das Auto – wartet schon direkt vor der Haustür.

Das alleine, denke ich, sind fünf Minuten mehr, die ich mich im Bett wälzen kann. Wenn man das hochrechnet, auf durchschnittlich 220 Arbeitstage pro Jahr – in 45 Arbeitsjahren, also angenommen, mein Auto wäre schon seit vielen Jahren so autonom und nicht erst seit ein paar Wochen, dann ergibt das in der Summe eine gewonnene Lebenszeit von – weiß ich jetzt auch nicht aus dem Kopf. Viel halt. Und das senkt unterm Strich natürlich den Stressfaktor. Sagt zumindest die Stresskurve, die mir mein Smartphone nach Übermittlung aller relevanter Körperdaten präsentiert.

Kostbare Geschenke

Während meine Adelheid mich also auf garantiert staufreien Wegen zur Arbeit bringt, werfe ich keinen einzigen Blick auf die Straße. Hört sich fahrlässig an, ist aber statistisch gesehen die sicherste Alternative. Und gibt mir die Gelegenheit, die Virtual-Reality-Brille aufzusetzen und mich – so früh wie niemals zuvor! – nach Weihnachtsgeschenken umzusehen. Während Adelheid im flüssigen Strom der perfekt Abstand haltenden, automatischen Wägen den Berliner Ring entlangschwimmt, schlendere ich durch ein virtuelles, aber reales Kaufhaus. Und das freut nicht nur meine Freundin, für die ich bestimmt irgendwas Teures finde (weil sie sich garantiert etwas Teures wünscht), sondern auch meinen Chef: Dafür zumindest geht schon mal keine Arbeitszeit mehr drauf.

Okay, okay, das sind Zukunftsträume. Aber: Schon heute weckt mich mein Handy aus diesen Visionen in Abhängigkeit von der Verkehrslage. Keine Baustelle aufm Ring zeigt es: Herr Reinfels darf heut ein bisschen länger schlummern. Und kommt trotzdem nicht zu spät. Mein Handy schaltet das Licht an und fährt die Rollläden hoch. Meine Freundin blinzelt verschlafen ins Licht und meckert: Wenn das Ding wenigstens auch noch Kaffee kochen würde. Noch nicht, Liebling, noch nicht.

„Ohne Smartphone geht nichts mehr. Wir befinden uns bereits mitten im digitalen Zeitalter.“
Markus Reinfels

Viecher im Gartenstrauch

Virtuelle Realität und das Internet der Dinge werden in Zukunft unser tägliches Leben prägen. Ich glaube, diese Zukunft ist gar nicht mal so weit entfernt. Und ich finde das
ziemlich cool. Benni, der Nachbarssohn, sowieso. Der Bub geht wieder an die frische Luft. Er läuft mir dabei zwar regelmäßig vors Auto, weil er Pokémon jagen muss, aber trotzdem: Frische Luft und Bewegung. Augmented Reality, erweiterte Realität, nennt sich das. Die Kamera von Bennis Smartphone nimmt zum Beispiel unseren Garten auf und auf dem Bildschirm erscheinen dann im Gestrüpp diese Viecher. Irre. Wenn Benni das Teil nicht braucht, leihe ich es mir manchmal aus. Hab sogar schon ein Zubat gefangen, aber Zubat ist Mist, sagt Benni.

Kunst ohne Fehler

Das Ganze ist aber nicht nur Quatsch. Die Kombination von echter Realität und virtuellen Informationen wird schon bald ziemlich nützlich werden. Zum Beispiel in der Medizin: Der Chirurg mit der Datenbrille wird nicht nur sämtliche Patienteninformationen stets im Blick haben, sondern sich auch anzeigen lassen, wo genau die Niere liegt, die raus muss. Kunstfehler, ade. Vorreiterin in Sachen praktisches AR ist übrigens die Automobilbranche: Schon heute werden bei manchen Herstellern zum Beispiel Bolzenschweißpunkte virtuell und ultrapräzise auf dem Modell eingeblendet.

Das alles lässt mich träumen. Wir leben schon in der Zukunft. Aber morgen wartet noch mehr Zukunft auf uns. Es sollte es nicht mehr allzu lange dauern, bis Adelheid mich wirklich an der Haustür abholt. Zumindest, wenn unser W-LAN bis in die Garage reicht.

Über den Autor

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Markus Reinfels

Markus Reinfels ist bei den Stadtwerken Bamberg der Stratege fürs Digitale. Als gebürtiger Bamberger liegt ihm seine Heimatstadt besonders am Herzen. Die betrachtet er gerne durchs Kameraobjektiv oder von den Bierkellern herab. Er ist Fan der Brose Bamberg Basketballer und hat einen Jack Russel Terrier, der Manolo heißt.

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