BAhnbrechend

Im Stream der Zeit

Die neuen digitalen Zeiten geben uns schier grenzenlose Möglichkeit, wenn man sie zu nutzen weiß. Markus, unser Marketingreferent Digital, gibt Einblick in seinen persönlichen Alltag mit Streaming, Vernetztheit und Co.

Hallo, mein Name ist Markus und ich bin Online-Shopper. Und Online-Glotzer. Und Online-Musikhörer. Ich bin der Chef-Googler, der YouTube-Maestro, der Mailverteiler in persona. Onlinesein ist mein Normalzustand. Außerdem arbeite ich im Marketing der Stadtwerke. Ein Paartherapeut bin ich nicht. Das Geld für einen solchen können Sie sich sowieso sparen. Ich sage: Netflix rettet jede Beziehung. Ganz im Ernst.

Man muss halt ausreichend Geräte zu Hause haben. Früher gab es auch bei uns lange Gesichter, wenn ich schon ganz heiß auf das Euroleague-Spiel gegen Barcelona kurz vor knapp nach Hause kam und auf der Couch direkt mit meiner Freundin kollidierte, die sich den ganzen Tag schon auf ihr Grey’s Anatomy-Staffelfinale gefreut hatte. Wer in dieser Konfliktsituation den Kürzeren zog? Na raten Sie mal.

Jeder kriegt, was er will

Eine glückliche Beziehung basiert auf der Bereitschaft und Fähigkeit, Kompromisse zu schließen. Das war gestern. Meine glückliche Beziehung fundiert auf einer Umgebung, die sicherstellt, dass beide zu jeder Zeit genau das kriegen, was sie jeweils wollen. Zumindest was Unterhaltungsmedien angeht. Während ich also die Spannung kaum ertragen kann, weil unsere Basketballer ein weiteres Bundesligaspiel mit 40 Punkten Abstand für sich entscheiden und ich gleichzeitig auf dem Handy die Statistik nachverfolge – in Echtzeit –, macht es sich meine Freundin nebenan gemütlich. Ich höre sie manchmal kichern und das ist ja auch schön. Friede, Freude, Freundin sozusagen.

Viele Menschen fühlen sich von den digitalen Medien an die Kette gelegt. Sie haben das Gefühl, eine Art Abhängigkeit zu entwickeln. Mir geht es genau anders herum: Die Apps, Programme und Geräte mit denen ich mich in wachsender Zahl umgebe, haben mich von viel zu fixen Strukturen befreit.

Das fängt beim TV-Programm an. Es gibt keine mit Kaffeetassenkringeln übersäte Fernsehzeitung mehr, die mir vorschreibt, wann ich was sehen darf. Tatort am Mittwoch, weil ich zufällig grade am Mittwoch Lust auf Tatort habe – kein Problem. Sonntags sehe ich sowieso lieber Schüsse auf dem Bamberger Basketballcourt als am Bodensee oder in Berlin. Die Mediatheken unterliegen jetzt meiner Kontrolle, ich bin mein eigener Programmentwickler. Dasselbe gilt für die Musik: Ich bin nicht mehr davon abhängig, welchen Song ein DJ im Radio für mich auswählt. Ich bin noch nicht einmal davon abhängig, welche CDs, Schallplatten, Kassetten ich besitze: Ich kann ja quasi alles streamen.

Kaufhaus aller Dinge

Programme wie Netflix, Spotify, Amazon Prime usw. haben unser Konsumverhalten in kürzester Zeit massiv umgekrempelt. Manchmal kommt es mir vor, als wäre das über Nacht geschehen: Ein unerschöpfliches Kulturangebot steht mir für wenig Geld ohne Sendeschluss zur Verfügung. Das hört sich immer noch unvorstellbar an, stimmt aber. Dafür gibt es halt niemanden mehr, der einem die Entscheidungen abnimmt. Das ist der einzige Nachteil, der mir einfällt.

Und so lässt sich das eigentlich auf alle Lebensbereiche ausweiten. Mein Smartphone ist tatsächlich smarter als ich: Es kennt meine Termine und erinnert mich rechtzeitig daran; es weiß sogar, dass ich dringend noch Espressobohnen und Gummibärchen kaufen muss. Es ist ein Notizblock, ein Terminkalender, das Kaufhaus für alle Dinge, der Bahnhofsschalter in meiner Hosentasche. All diese Erweiterungen meiner digitalen Welt nehmen mir die Lästigkeiten des Lebens ab. Und geben mir Zeit, über die wirklichen wichtigen Dinge nachzudenken. Basketballstatistiken beispielsweise. Oder warum ich dieses Grey’s Anatomy-Staffelfinale gar nicht mal so schlecht fand.

Einzig unserem Jack Russel Terrier Manolo scheint das alles an seinem befellten Hundehintern vorbei zu gehen. Zumindest solange, bis er mit seinem neuen Halsband mit GPS-Tracking durch die Gegend flitzt.

Über den Autor

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Markus Reinfels

Markus Reinfels ist bei den Stadtwerken Bamberg der Stratege fürs Digitale. Als gebürtiger Bamberger liegt ihm seine Heimatstadt besonders am Herzen. Die betrachtet er gerne durchs Kameraobjektiv oder von den Bierkellern herab. Er ist Fan der Brose Bamberg Basketballer und hat einen Jack Russel Terrier, der Manolo heißt.

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