Busse der Stadtwerke Bamberg
Hautnah

Unterwegs mit einem Busfahrer: zwischen Enkeln und Lackschuhen

Bexhet Morina gibt einen persönlichen Einblick in seinen Arbeitsalltag als Busfahrer bei den Stadtwerken Bamberg.

Bexhet lacht. Seine Lieblingsroute? Natürlich die 910. „Weil ich in Wildensorg wohne.“ Nein, tatsächlich ist es ihm am liebsten, wenn die Schicht gemischt ist, dann wird es nicht langweilig.

Seit 2003 ist Bexhet Morina Busfahrer der Stadtwerke Bamberg. Es ist ein frostiger Novemberfreitag, 9 Uhr. Die Menschen drängen sich unter das Vordach am ZOB. Noch fünf Minuten, bis die 909 in den Hain fährt, am Steuer sitzt Bexhet, superpünktlich, gut gelaunt.

„„Ich freue mich jedes Mal“, sagt Bexhet, „wenn ich einer älteren Dame oder einem älteren Herrn helfen kann.““
Bexhet Morina, Busfahrer
Brexet Morina, Busfahrer bei den Stadtwerken Bamberg

Gerne in Kontakt mit Mitmenschen

Der 41-Jährige mag seine Arbeit als Busfahrer. „Weil ich gerne in Kontakt mit meinen Mitmenschen bin.“ Bevor er über ein Praktikum bei den Stadtwerken Bamberg einstieg, arbeitete er als Maschinenführer in der Oberpfalz. Das wäre heute nichts mehr für ihn, er will draußen sein,
auf der Straße.

Bus in Bamberg am zentralen Omnibusbahnhof mit Busfahrer

Seine Schwester lebte Anfang der 2000er bereits in Bamberg. Die Altstadt, der Domplatz, das gefiel Bexhet auf den ersten Blick. 1995 war er aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. Eigentlich um Mathematik und Physik zu studieren. Das klappte leider nicht. „Aber ich bin auch so glücklich.“ Man merkt es ihm an, wenn er fährt. Wie er die Fahrgäste begrüßt. Es sind vor allem ältere Damen, die auf dem Vierersitz einen morgendlichen
Stammtisch veranstalten. Es geht um das Wetter, Enkel und die Lackschuhe von früher.

Den Menschen helfen

„Ich freue mich jedes Mal“, sagt Bexhet, „wenn ich einer älteren Dame oder einem älteren Herrn helfen kann.“ Seine Großeltern seien viel zu früh gestorben. An den Bamberger Senioren möchte er etwas nachholen, wozu er bei ihnen nicht mehr die Möglichkeit hatte. Etliche Stamm-Fahrgäste kennt er, wenigstens vom Sehen. „Wenn sie nicht mehr kommen, macht man sich schon mal Sorgen. Und dann freut man sich, sie wiederzusehen.“

Mittlerweile gehört Bexhet zu den erfahrenen Fahrern im knapp 140-Mann- und Frau-starken Team. Als solcher lernt er auch die Neuen mit an. Nach drei Wochen ist man fit für den Job in der Domstadt. Verfahren hat er sich nie, Unfälle kommen vor. Einmal ist ihm ein Auto in die Mitte des Busses gefahren, verletzt wurde zum Glück niemand.

Bus in Bamberg am Domberg vor dem Bischoffssitz

Heute Morgen ist alles ganz ruhig. Vor dem Seniorenzentrum Wilhelm Löhe ist ein Mann mit seinem Laubbläser zu Gange. Der Spielplatz auf der Bayerleinswiese liegt verlassen und von Pfützen durchzogen unter einem grauen Himmel. „Hallo, guten Morgen.“ – „Tschüss, schönes Wochenende.“ Die 909 füllt und leert sich und dreht ihre Schlaufe am Heinrichsdamm vorbei und zurück zum ZOB.

Bus in Bamberg am Domberg vor dem Dom

Immer den Ball flach halten Der Job hat sich verändert in den vergangenen 14 Jahren. Klar, die meisten Gäste sind nach wie vor nett. Aber es kommt häufiger vor, dass jemand zusteigt, der aggressiv ist. „Man muss immer ruhig bleiben, den Ball flach halten“, sagt Bexhet. Und woran erinnert er sich besonders gern? Bexhet überlegt, nippt an seinem Cappuccino, eine gute Stunde Pause bis es weiter geht. „Vor vielleicht zehn Jahren“, sagt er dann, „ist ein Rollstuhlfahrer bei uns mitgefahren. Am Ende der Fahrt ist er aufgestanden, und hat seinen Rollstuhl vergessen.“ Er lacht: „Wer bei uns mitfährt, wird geheilt.“

Fakten zum Busfahren in Bamberg

140 Busfahrerinnen und Busfahrer sind in einem Netz aus 28 Buslinien in Bamberg, Bischberg, Gundelsheim, Hallstadt, Memmelsdorf und Stegaurach im Einsatz. Sie legen dabei eine Strecke von mehr als 9.000 Kilometern pro Tag zurück.
Mit seinem Angebot gehört das ÖPNV-Netz in Bamberg zu den besten in ganz Deutschland. Dies ergab eine repräsentative, bundesweit durchgeführte Studie unter 26.000 Nutzern von 49 ÖPNV-Dienstleistern. Bei der Gesamtzufriedenheit belegte Bamberg Platz 3.
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