Innovationskraft

Marokkanische Städte lernen von der Bamberger Straßenbeleuchtung

Damit eine Stadt nachts ausreichend beleuchtet ist und dabei nicht zu viel Energie verbraucht, ist jede Menge Know How notwendig. Die Bamberger Stadtwerke helfen seit 2015 marokkanischen Gemeinden dabei, ihre Straßenbeleuchtung energieeffizient und zukunftsweisend auszurichten.

“Sauberkeit. Ordnung. Pünktlichkeit.”

Wer international nach Klischees zu Deutschland fragt, wird unter anderem diese Begriffe zu hören bekommen. Jedem Klischee liegt natürlich auch ein Funken Wahrheit zu Grunde: So sind deutsche Kommunen unter anderem im Energiesparen und der Mülltrennung besonders gut. Dieses Know How soll im Rahmen des Programms “Kommunaler Wissenstransfer Mahgreb – Deutschland”, das von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem deutschen Entwicklungsministerium organisiert wird, in die Mahgreb-Länder gebracht werden. Kommunen in Algerien, Marokko und Tunesien sollen so unter anderem Strategien für Müllentsorgung, Dialog mit Bürgern oder Beleuchtung entwickeln. Die Idee dabei: Diese Hilfe zur Selbsthilfe stärkt die regionale Wirtschaft, erhöht die Lebensqualität und beseitigt dadurch Fluchtursachen.

Stadtwerke geben Wissen in Straßenbeleuchtung weiter

Die Delegation aus Marokko in Bamberg

Drei Kommunen haben sich in Marokko um ein Beleuchtungsprojekt beworben, für die die GIZ im Jahr 2015 passende Partner in Deutschland sucht: Die Stadt Bamberg ist dabei einer der “Wunschkandidaten”, da sie durch energieeffiziente Beleuchtung mehr als 70 % Strom und 129 Tonnen CO2 jährlich eingespart hat. Matthias Windfelder ist bei den Stadtwerken Bamberg für die Beleuchtung zuständig und ist sofort vom Marokko-Projekt angetan: “Wir geben unser Wissen gerne weiter. Neben mir sind noch mein Vorgänger bei den Bamberger Stadtwerken und der ehemalige Licht-Beauftrage der Stadt Nürnberg im Projekt-Team: So verteilen wir die Arbeit auf mehrere Schultern”, erklärt er.

„Die Marokkaner zeigen gerne, was sie haben: Die Straßenbeleuchtung soll hell und beeindruckend sein.“
Matthias Windfelder

4 Mio kWh Strom brauchen allein die Laternen des Strands

Und es gibt einiges zu tun, denn die drei beteiligten Gemeinden in Marokko könnten unterschiedlicher nicht sein: Da ist zum einen die Touristenstadt Agadir mit knapp einer halben Million Einwohnern. Hier gibt es jede Menge Beleuchtung, die pro Jahr rund 16 Millionen Euro kostet. Alleine für den Strand werden etwa 4 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom benötigt. Zum Vergleich: Die Stadt Bamberg hat 2017 etwa 3 Millionen kWh Strom für ihre gesamte Straßenbeleuchtung verbraucht. Jede Menge Sparpotential. Wäre es da nicht naheliegend, einige Lampen einfach abzuschalten? So einfach ist das nicht: “Die Marokkaner zeigen gerne, was sie haben: Die Straßenbeleuchtung soll hell und beeindruckend sein. Da sich die Bevölkerung bei 40 Grad tagsüber meist drinnen aufhält, erwacht die Stadt erst in der Nacht zum Leben”, erklärt Matthias Windfelder, “Diesen kulturellen Unterschied müssen wir bei der Lichtplanung natürlich berücksichtigen.”

Grundverschieden - gleiches Anliegen: Agadir, Bení Mellal und Benlimane suchen nach Beleuchtungslösungen

Den Kontrast zur Touristenstadt Agadir bilden die anderen beiden Städte: Bení Mellal in der Mitte des Landes hat rund 200.000 Einwohner und ist eher landwirtschaftlich geprägt. Hier geht es ebenfalls um Einsparungen bei der Beleuchtung, es soll aber auch gezielt Solarenergie genutzt werden. Die Kleinstadt
Benslimane (50.000 Einwohner) schließlich hat die Energieversorgung nach einiger Zeit in privater Hand wieder verstaatlicht und möchte in diesem Zuge die Beleuchtung effizienter gestalten.

Drei ganz unterschiedliche Kommunen, bei denen jedoch vor allem eines notwendig ist: Grundlagenarbeit. “Zu Beginn des Projekts haben wir festgestellt, dass keine der Kommunen gezieltes Controlling betreibt. Deshalb zielen die Projekte erst einmal darauf ab, gemeinsam einen Plan für die Beleuchtung zu erarbeiten”, so Matthias Windfelder, “Die eigentliche Umstellung der Beleuchtung wird vermutlich noch einige Jahre nach Projektende dauern.”

„Ich denke, am Ende des Projekts wird die kleinste Stadt den großen zeigen, wie es geht.“
Matthias Windfelder

Dabei besuchen die Bamberger etwa alle 6 Monate die marokkanischen Städte, kontrollieren den Fortschritt, besprechen neue Aufgaben und beantworten Fragen. Im Gegenzug waren die Marokkaner 2017 in Deutschland, um die Bamberger Beleuchtung live zu sehen. Vor allem bei der Projektplanung gibt es dabei ganz unterschiedliche Mentalitäten: “Wir Deutschen denken eher in Teilschritten, die wir schnell umsetzen wollen. Die Marokkaner möchten einen ‘perfekten’ Plan und lassen sich dafür Zeit, bevor sie mit der Umsetzung starten.” Vor allem in den größeren Kommunen sind daher bisher kaum messbare Ergebnisse festzuhalten: “Am meisten umgesetzt ist in Benslimane, wo bereits Test-Lampen aufgestellt wurden. Ich denke, am Ende des Projekts wird die kleinste Stadt den großen zeigen, wie es geht.”, mutmaßt Windfelder.

Nachhaltige Ergebnisse zählen mehr als kurzfristige Erfolge

Bis zum Ende des Projektes sind es noch gut 1,5 Jahre, in denen Test-Lampen aufgestellt, verschiedene Anbieter verglichen und dadurch messbar Energie eingespart werden soll. Ist es nicht ernüchternd, wenn das Projekt so langsam vorangeht? “Lieber langsam und nachhaltig als in einer Hauruck-Aktion vorgehen
und nach Kurzem ist wieder alles beim Alten”, antwortet Matthias Windfelder. Die Bamberger Lichtexperten werden jedenfalls alles daran setzen, ihre eigenen Erfolge auch in Marokko zu wiederholen und so die Welt ein Stück nachhaltiger zu machen.

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